Preisverleihung 2021

Um ihre herausragenden Leistungen sichtbar zu machen, werden alle am DIES ACADEMICUS mit einem Preis oder Stipendium ausgezeichneten Nachwuchswissenchaftlerinnen und -wissenschaftler sowie Nachwuchskünstlerinnen und -künstler auf dieser Seite kurz vorgestellt. Eine ausführlichere Darstellung bietet die JGU-Broschüre "Ausgezeichnete Leistungen 2020/2021", in der auch die Preisträgerinnen und Preisträger des Preises der Johannes Gutenberg-Universität vorgestellt werden.

Stipendien und Preise für herausragende Leistungen

Promotionsstipendium der Sibylle Kalkhof-Rose-Stiftung

Pugliesità – la costruzione narrativa dell’identità pugliese
(Arbeitstitel des Promotionsvorhabens)

"In ihrem Dissertationsprojekt untersucht Frau Bitter die literarische Konstruktion regionaler Identität im zeitgenössischen Roman am Beispiel Apuliens und verbindet so auf innovative Weise die aktuelle Frage nach der Identität einer sich stetig transformierenden Region mit einer literaturwissenschaftlich-soziologischen Methode. Ihr Vorhaben überzeugt durch den innovativen, methodisch-theoretisch fundierten Ansatz im Verbund mit einem gesellschaftspolitischen Interesse." Univ.-Prof. Dr. Dietrich Scholler

Ciliary regulation of actin dynamics
(Arbeitstitel Promotionsvorhabens)

"Lena Brücker erforscht in ihrem Promotionsprojekt die Funktion von Zilien, kleinen Fortsätzen fast aller euka-ryotischen Zellen, und welche Rolle diese bei der Entstehung bestimmter Erbkrankheiten, den sogenannten Ziliopathien, spielen. Mit ihrer Arbeit trägt sie dazu bei, einen besseren Einblick in wesentliche Bestandteile der Zellbiologie zu gewinnen sowie molekulare Hintergründe von Ziliopathien besser zu verstehen. Frau Brückers Ergebnisse liefern tiefere Einblicke in zelluläre Signalwege sowie in Krankheitsmechanismen und sind damit für die Erforschung von Therapiemöglichkeiten von großer Bedeutung." Univ.-Prof. Dr. Helen May-Simera

Stefan Zweig und die Kunst: Pathos-Konfigurationen um 1900
(Arbeitstitel des Promotionsvorhabens)

"Larissa Frömel untersucht in ihrem Promotionsprojekt die Rolle des Schriftstellers Stefan Zweig für Diskurse der Bildenden Künste um 1900. Im Zentrum ihrer Auseinandersetzung mit dem Autor steht die Dekonstruktion von Pathos-, Genie- und Nostalgiekonzepten, die in aktuellen Forschungen zur Emotionsgeschichte und in den Affect Studies eine zentrale Rolle spielen. Somit beschäftigt sich Larissa Frömel erstmalig mit jenen zeitgenössischen philosophischen, literarischen und künstlerischen „Formeln“ in Bezug auf Stefan Zweig, die in der Auseinandersetzung mit der Autorenpersönlichkeit bislang vernachlässigt wurden. Das Promotionsprojekt ist interdisziplinär zwischen Kunst-, Kultur- und Literaturwissenschaften angesiedelt." Prof. Dr. habil. Linda Hentschel

Ich bin die tatkräftige Frau, oder? Eine kontextuell-theologische Recherche zur Identität ungarischer Christinnen
(Arbeitstitel des Promotionsvorhabens)

"Rebeka Tamási promoviert im PhD-Programm „Interdisciplinary Studies in Theology and Religion“ der evangelisch-theologischen Fakultät der JGU. In ihrer Forschungsarbeit befasst sie sich mit Identitätsfragen ungarischer Christinnen vor dem Hintergrund kontroverser gesellschaftlicher und religiöser Erwartungshaltungen. In ihrem sehr experimentellen und innovativen Promotionsvorhaben verbindet sie klassische alttestamentliche Exegese mit net-sourcing und feministischer Theorie, um eine kontextuelle Theologie für Ungarn zu entwerfen."
Univ.-Prof. Dr. Volker Küster

DAAD-Göbel Foundation Scholarship für internationale Studierende im Fach Physik

"Solving the conundrum of theoretical physics with various approaches is fascinating me. I am especially interested in quantum gravity and physics beyond standard models. The Master of Science in Physics Program at JGU Mainz is a valuable opportunity for me and the best way to bring me a step closer towards my goal to become an insightful physicist. With my experiences, I will soon be able to help new international students to adapt to the new environment at JGU Mainz." Jiyoung Kim

"Already during my bachelor`s degree, I knew I wanted to direct my educational path towards Germany. The whole organization and attitude towards students, specifically treating them as potentially future scientists, convinced me that Germany is the right place to continue my education and career. I am looking forward to actively participating in the academic and student life at JGU."Klaudia Gnyla, B.Sc.

DAAD-Preis für ausländische Studierende

"Solène Michon ist eine überdurchschnittlich leistungsstarke, exzellente Studentin, die sich für eine aus französischer Sicht ungewöhnliche Ausbildung entschieden hat. Man muss ja bedenken, dass es in Frankreich auf Bachelorebene gar kein lehramtsbezogenes Studium gibt, so dass es für französische Abiturienten keine Selbstverständlichkeit ist, einen solchen Ausbildungsgang zu wählen. Mit ihrer Studienwahl ist Michon eine Pionierin, die sich alles andere als die einfachste Option einer transnationalen Ausbildung ausgesucht hat, diese mit Bravour meistert und ihre Begeisterung für internationale Zusammenarbeit an ihre Schülerinnen und Schüler in Frankreich und Deutschland weitergibt. Hierfür wird sie verdient mit dem DAAD-Preis für ausländische Studierende ausgezeichnet.“
Lutz Baumann

Preise für herausragende Abschlussleistungen

Preis der Boehringer Ingelheim Stiftung

IM30 – A dual-functional membrane chaperone?

In den inneren Membranen der Chloroplasten, den Kraftwerken in Pflanzenzellen, läuft die Photosynthese ab, bei der Lichtenergie in chemische Energie und Sauerstoff umgewandelt wird. Herr Dr. Junglas hat im Rahmen seiner Doktorarbeit die Struktur und Funktionsweise des Proteins IM30 aus einem Cyanobakterium, welches als „frei lebender Chloroplast“ beschrieben werden kann, untersucht. Große, ringförmige IM30-Komplexe lagern sich an die Zellmembranen an, zerfallen und bilden einen „Schutzschild“ auf der Membran aus. Die Arbeiten von Herr Dr. Junglas sind ein wichtiger Ausgangspunkt für die weitere Erforschung eines neuartigen Schutzmechanismusses in den grünen Bestandteilen von Pflanzenzellen und von Cyanobakterien.
Univ.-Prof. Dr. Dirk Schneider

Functional separation of two distinct voltage gated calcium channels at the presynaptic terminal of Drosophila larval crawling motoneurons

Gehirnfunktion erfordert zuverlässige Informationsübertragung an chemischen Synapsen. Hier werden Freisetzung und Recycling synaptischer Vesikel (SV) durch Kalziumsignale reguliert, aber in unterschiedlichen zeitlichen und räumlichen Domänen. Herr Krick hat Mechanismen zur getrennten Regulation dieser Prozesse durch zwei verschiedene spannungsabhängige Kalzium Kanäle entdeckt. Cav2 Aktivierung ist für die Exozytose SV erforderlich, wohingegen Cav1 Recycling reguliert. Funktionelle Trennung im Nanometerbereich des Axonterminals erfolgt durch die Plasmamembran Kalzium ATPase, PMCA. Die funktionelle Cav1/Cav2/PMCA Triade könnte einen konservierten Mechanismus zur unabhängigen Kontrolle verschiedener vitaler synaptische Funktionen darstellen. Univ.-Prof. Dr. Carsten Duch

RNA sequencing: Detection of purine modifications by RT-signature and chemical deamination

Herr Dr. Werner hat hochaktuelle Themen aus der RNA Biochemie und der Informatik in einem besonders interdisziplinären Werk vereint. Methoden der chemischen Biologie kombinierte er mit Machine Learning, einer Disziplin aus der Informatik, die in der öffentlichen Wahrnehmung häufig in die Nähe der künstlichen Intelligenz gerückt wird. Dies hat Herr Werner auf große Datenmengen aus der Hochdurchsatzsequenzierung angewandt, wodurch darin so genannte RNA Modifikationen effizient erkannt werden konnten. Die Arbeiten hat er als Erstautor in drei hochrangigen Publikationen veröffentlicht. Aufgrund seiner besonderen Selbstständigkeit konnte Herr Werner eine weitere Arbeit als korrespondierender, also hauptverantwortlicher Autor publizieren. Univ.-Prof. Dr. Mark Helm

Klinische Relevanz und Prädiktoren der Verschiebung der subjektiven visuellen Mitte bei Patienten mit Komplexem Regionalem Schmerzsyndrom

Matthias Wittayer hat in seiner Promotionsarbeit neglectartige Störungen bei Patienten mit komplex regionalem Schmerzsyndrom (CRPS) untersucht. Dieses charakteristische Symptom hatte einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Er konnte nachweisen, dass mehrere objektive neurophysiologische Methoden (Bestimmung der subjektiven visuellen Mitte und Lateralitätserkennung) nicht dazu geeignet waren, diese Körperschemastörung zu erfassen. Das Ausmaß der neglectartigen Störung war bei akuten Patienten von der Schmerzstärke abhängig, während im Verlauf ein Wandel der Pathophysiologie auftrat und das Ausmaß der Störung abhängig wurde von psychischen Faktoren, insbesondere angst- und hilflosigkeitsbezogenen Items. Herr Wittayer hat einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des CRPS geliefert und ermöglicht damit die Entwicklung neuer Therapieansätze. PD Dr. Tanja Schlereth

Forschungsförderpreis der Freunde der Universität Mainz e.v.

Misinscriptions: A Media Epigraphy of Video Compression

Marek Jancovic legt eine überaus originelle Mediengeschichte zur Videokompression vor; einem Gegenstand, der von der Medienwissenschaft bislang vernachlässigt wurde, für unsere Medienkultur aber von wachsender Bedeutung ist. Statt Film ausschließlich unter künstlerisch-ästhetischen Maßgaben zu untersuchen, macht die Studie deutlich, dass die menschliche Wahrnehmung von Technologien, Infrastrukturen und Standards nicht mehr zu trennen ist, und die Untersuchung von Formaten für eine medienhistorisch interessierte Filmwissenschaft einen produktiven Zugang anbietet. In vier Fallstudien werden bislang übersehene Verstrickungen von Mathematik, Datenverarbeitung, Neurologie und audiovisuellen Medien herausgearbeitet und die Konturen eines innovativen Ansatzes entwickelt, der das Potential hat, die Forschung in eine neue Richtung zu lenken: die Medienepigraphik – eine Inschriftenkunde technischer Medien. Prof. Dr. Alexandra Schneider

Konflikt – Konsens – Koexistenz. Konfessionskulturen in Worms im 18. Jahrhundert

Die kulturhistorisch ausgerichtete Dissertation von Carolin Katzer ist ein wichtiger Beitrag zur lebhaften Forschungsdiskussion über den Stellenwert des Konfessionellen bzw. den Umgang mit konfessioneller Differenz im 18. Jahrhundert. Durch die sorgfältige Analyse bislang unberücksichtigt gebliebener Quellen aus einer Vielzahl von Archiven legt sie offen, wie vielschichtig sich das mehrkonfessionelle Zusammenleben in der Reichsstadt Worms gestaltete. Meist dominierte ein friedlich-pragmatischer Umgang miteinander. Doch es gab auch etliche Konflikte, z.B. um katholische Prozessionen oder um die Nutzung von Kirchen. Das Neben- und Miteinander der Konfessionen war noch im Jahrhundert der Aufklärung fragil und musste stetig neu ausgehandelt werden. Univ.-Prof. Dr. Matthias Schnettger

Phenomenology of New Physics Models at Colliders and in Gravitational Waves

Gravitationswellen sind kleine Schwingungen der Raumzeit, die vor wenigen Jahren erstmals experimentell nachgewiesen wurden. Eric Madges Doktorarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie man diese neuartigen Daten nutzen kann, um nach neuer Physik zu suchen. Dabei hat er die Gravitationswellen berechnet, welche von bestimmten Modellen für dunkle Materie vorhergesagt werden und mit Suchen nach neuen Teilchen in Beschleuniger-Experimenten wie dem LHC am CERN kombiniert. Dies eröffnet einen neuen Weg für zukünftige Suchen nach dunkler Materie sowie für andere offene Fragen der fundamentalen Physik. Prof. Dr. Pedro Schwaller

Mediennutzung und metakognitive Urteile:
Die Rolle digitaler Nachrichten für die Wahrnehmung von Wissen

Die Dissertation von Svenja Schäfer untersucht wie sich eine veränderte Nachrichtennutzung auf subjektives und objektives Wissen von Rezipient:innen auswirkt. Sie zeigt, dass Snack News (z.B. Nachrichtenhäppchen auf Social Media) subjektives Wissen steigern. Objektiv lernen Rezipient:innen aus Snack News aber kaum etwas. Diese Wissensillusion hat weitergehende Folgen, z. B. dass sich Rezipient*innen bei subjektiv erhöhtem Wissen ihrer Einstellungen sicher sind und sie eher Diskussionen bereit sind, auch wenn sie objektiv nicht mehr über ein Thema wissen. Die Dissertation ist in Theoriebildung, empirischem Vorgehen, analytischer Tiefe und Expertise vorbildlich. Der Autorin gebührt auch Lob für eine verständliche Vermittlung komplexer Inhalte. Univ.-Prof. Dr. Christian Schemer

Star-Shaped Multiblock Copolymers: Engineered Materials, Order, and Mechanics

Thermoplastische Elastomere sind Materialien, die ihre Gummi-Eigenschaften nur durch eine spezielle molekulare Architektur der Polymerketten erhalten, nicht durch Vernetzung mittels Schwefelvulkanisation. Philipp von Tiedemann hat zum einen systematisch die Reaktivitäten neuer, substituierter Styrolbausteine für solche Materialien untersucht. Zum anderen konnte er durch die Entwicklung eines neuartigen, durch die JGU patentierten Kupplungsbausteins erstmals Sternpolymere mit hochdefinierten Monomergradienten herstellen. Detaillierte Untersuchungen der Mechanik erfolgten im Rahmen eines 6-monatigen Aufenthalts an der Universität Princeton (USA). Die Dissertation ist auch für die Wiederverwendung und das Recycling von Polymeren von Bedeutung. Univ.- Prof. Dr. rer. nat. Holger Frey

Preis der LBBW Landesbank Baden-Württemberg

Männlichkeit verhandeln. Von Lüstlingen, Kriegern und wahren Römern (1./2. Jh. n. Chr.)

Herr Weidauer hat eine spannende Arbeit zur antiker Genderforschung vorgelegt, die das Selbstverständnis der Römer erforscht. Er wählt den Zugang über Satire, Ironie und Rhetorik um die Darstellung homosexueller Männern, spezieller Sexualpraktiken, Prostitution, ungepflegter Behaarung und verweichlichter Enthaarung zu hinterfragen. Aber auch Gegenentwürfe nimmt er aufs Korn wie den der Germanen in pseudo-ethnischen Darstellungen als starke, unbeherrschte, unkultivierte Supermänner oder auch den der philosophierenden, unkriegerischen, nackt Sport treibenden Griechen. Das Bild des römischen Mannes hat sich in der Kaiserzeit weit entfernt hat von den Idealen der römisch-republikanischen Tradition römischer Bauern, die für Rom jederzeit mutig und selbstlos einstehen. Sein Fazit: Römersein ist ein multikulturelles Phänomen geworden. Univ.-Prof. Dr. Marietta Horster

Preis der Dr.-Feldbausch-Stiftung

Grundrechtliche Vorgaben zur Regulierung nutzergenerierter Inhalte auf sozialen Netzwerken – Verantwortlichkeit sozialer Netzwerke für nutzergenerierte Inhalte und Kommunikationsstandards unter Berücksichtigung der Kommunikationsfreiheiten

Soziale Netzwerke eröffnen einerseits früher ungeahnte Kommunikationschancen, indem sie fast der gesamten Bevölkerung ermöglichen, sich mit anderen zu vernetzen und Inhalte an ein breites Publikum zu richten. Anderseits greifen sie in die kommunikative Auseinandersetzung ein, indem sie Inhalte an selbstgesetzten Kommunikationsstandards messen und Verstöße gegen diese unterbinden oder sanktionieren. Eva Skobel setzt sich mit den sich daraus ergebenden schwierigen und hoch aktuellen Rechtsfragen akribisch, abgewogen und umfassend auseinander und entwickelt gut begründete und im Ergebnis überzeugende Lösungsvorschläge. Eine ausgezeichnete Leistung! Univ.-Prof. Dr. Dieter Dörr

Preis der Peregrinus-Stiftung - Rudolf Meimberg

Old enough to commit a crime – Old enough to do the time? Zur Durchsetzung internationaler jugendstrafrechtlicher Mindeststandards

Ein dem Entwicklungsstand jugendlicher Straftäter angepasstes, den Erziehungsgedanken in den Vordergrund stellendes Jugendstrafrecht gilt als wesentliche humanitäre Errungenschaft, ist aber immer wieder Anfeindungen ausgesetzt, wenn vor dem Hintergrund spektakulärer Verbrechen von politischer Seite der Ruf nach harter Vergeltung und Abschreckung gegenüber delinquenten Jugendlichen erhoben wird. Vor diesem Hintergrund könnten international verbindliche Standards eine wichtige Schutzfunktion ausüben. Frau Hinz hat eine grundlegende Untersuchung vorgelegt, welche derartigen Vorgaben existieren und durch welche institutionellen Maßnahmen sich ihre Einhaltung weltweit verbessert ließe. Univ.-Prof. Dr. Volker Erb

Dissertationspreis der Alfred Teves-Stiftung

Rechtsnachfolge in Familienunternehmen durch Bestimmungsvermächtnis

Herr Dr. von Borries war einer dieser außergewöhnlichen Studenten, die einem schon früh im Studium auffallen. Ich hatte die Freude, ihn bereits in seinen ersten Semestern an meinen Lehrstuhl holen zu können. Hier ist er dann als mein wissenschaftlicher Mitarbeiter bis zur Promotion geblieben, und so hatte ich das Glück, seinen beeindruckenden Werdegang mitverfolgen zu können – das Studium und Referendariat, zwei hervorragende Staatsexamina und schließlich die Promotion und den Eintritt ins Berufsleben als Rechtsanwalt. Die Dissertation zur „Rechtsnachfolge in Familienunternehmen durch Bestimmungsvermächtnis“ ist sein Meisterstück. Dieses ausgesprochen praxisrelevante und hoch­komplexe Thema, das bislang in vielerlei Hinsicht – auch zu grundlegenden Fragen – als ungeklärt galt, hat Herr Dr. von Borries mit sehr viel wissenschaftlichem Scharfsinn als erster wirklich durchdrungen. Seine Lösungen und Gestaltungsvorschläge sind in der Praxis unmittelbar umsetzbar. Doktorarbeiten wie diese begegnen einem nur sehr selten. Ich wünsche Herrn Dr. von Borries auch für die Zukunft beruflich und privat alles erdenklich Gute. Prof. Dr. Christina Eberl-Borges

Die Organvergütung nach Solvency II

Laudatio zur Dissertation von Herrn Assessor Tobias Gerigk, Die Vergütung nach Solvency II Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder von Versicherungsunternehmen erhalten eine Vergütung. Die Risikoorientiertheit, Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Transparenz der Vergütungselemente führen zu zahlreichen komplizierten Rechtsfragen. Im europäischen und deutschen Versicherungsaufsichtsrecht gibt es dazu spezielle Vergütungsvorschriften. Hinzu kommen Verlautbarungen der europäischen und deutschen Versicherungsaufsichtsbehörden. Die Dissertation erfasst den gesamten Rechtsstoff, der seit dem Jahr 2016 völlig neu geregelt ist. Sie systematisiert ihn souverän und erarbeitet ebenso rechtlich differenzierte wie praktisch handhabbare Lösungen für zahlreiche Grundsatz- und Einzelfragen der Vergütung von Organmitgliedern durch fixe und variable Vergütungsbestandteile. Univ.-Prof. Dr. Meinrad Dreher, LL.M.

Contributions to Exact Algorithms for Packing and Routing Problems

Im Operations Research geht es darum, optimale Entscheidungen zum Beispiel in der Logistik, der Produktion oder der Telekommunikation vorzubereiten. Katrin Heßler hat im Rahmen ihrer kumulativen Dissertation neue Optimierungsmethoden für Probleme im Bereich der Packung, des Zuschnitts und der Tourenplanung entwickelt, die von allgemeinem Interesse für die kombinatorische Optimierung sind. Die Dissertation umfasst vier Aufsätze, die bereits in renommierten internationalen Zeitschriften veröffentlicht sind. In den ersten beiden Artikeln geht es um das Vektorpackproblem als prototypische mehrdimensionale Aufgabenstellung einerseits und eine Anwendung aus dem Bereich der Direktbelieferung von Supermärkten andererseits. Die beiden übrigen Aufsätze behandeln zwei wichtige Tourenplanungsprobleme, wie sie bei Paketlieferdiensten und beim Einsatz von Fahrzeugen mit mehreren Ladekammern vorkommen. Univ.-Prof. Dr. Stefan Irnich

Die Erwerbsobliegenheiten in der Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz ermöglicht überschuldeten Personen binnen drei Jahren ihre Verbindlichkeiten loszuwerden - allerdings nicht umsonst. Neben die „normalen“ Folgen einer Insolvenz, nämlich den Verlust des pfändbaren Vermögens, treten bestimmte Obliegenheiten. Insbesondere müssen Schuldner während des gesamten Entschuldungsverfahrens einer „angemessenen“ Erwerbstätigkeit nachgehen. Streitfragen sind damit vorprogrammiert: Muss man seinen Arbeitsplatz zugunsten einer anderen Beschäftigung aufgeben, wenn man dort mehr verdient? Darf man bei Erreichen der Altersgrenze in den gesetzlichen Ruhestand gehen oder muss man weiterarbeiten, um höhere Einnahmen zu generieren? Welche Anstrengungen muss ein arbeitsloser Schuldner unternehmen, um in Lohn und Brot zu kommen? Diese und andere Fragen hat Herr Rehn in seiner Arbeit systematisiert und die einzelnen Fallgruppen einer Lösung zugeführt. Er hat so erstmalig eine dogmatisch zufriedenstellende Gesamtkonzeption der Erwerbsobliegenheiten in der Privatinsolvenz erarbeitet. Univ.-Prof. Dr. C. W. Hergenröder

Managing Price-Related Word-of-Mouth: Empirical Studies about Consumer Price Discussions

Herr Dr. Schneider unterstützt mich seit jeher zuverlässig und mit vollem Einsatz bei der Lehre und es ist eine enorme Bereicherung für den Fachbereich, dass er seit seiner Promotion einen eigenen Lehrauftrag angenommen hat. Obwohl seine Veranstaltungen als anspruchsvoll bekannt sind, erhalten sie hervorragende Bewertungen durch die Studierenden. Weiterhin zeigt er einen außergewöhnlichen Ehrgeiz in der Forschung. Neben verschiedenen Büchern konnte er bereits mehrere Paper in internationalen Top-Journals publizieren. Seine Dissertation ist nicht nur inhaltlich hervorragend, sondern setzt auch methodisch neue Impulse im Bereich der multivariaten Analysemethoden. Alle beteiligten Gutachter und Prüfer haben seine Leistung einstimmig mit summa cum laude bewertet. Mich freut es deshalb, ihm zur Würdigung seiner Dissertation durch den Wissenschaftspreis der Alfred Teves-Stiftung zu gratulieren. Univ.-Prof. Dr. Frank Huber

Preis der Gertrude Meyer-Jorgensen, geb. Salomon, und Paul Meyer-Stiftung

Schuld und Sprache. Hermeneutische Überlegungen in einer schuld- und leidsensiblen Philosophie der Geschichte(n)

Das Erstarken nationalistischer Tendenzen hat seine Gründe unter anderem in der noch nicht beendeten Aufklärung der Schuld. Nachdem die dafür notwendigen Zeitzeugen weitgehend nicht mehr leben, sucht Dennis Marten neue Wege einer Gedenkkultur durch Texte, insbesondere Gedichte von Paul Celan, die als er zeitlose Zeugnisse das Gedenkens an die Ermordeten des Nationalsozialismus versteht. Die Arbeit geht der Frage nach, wodurch und wie weit sich die Schuld in die Sprache solcher Kunstwerke eingeschrieben hat und ob sie heute zur Stellvertretung der Zeugen werden können. Dazu werden die dialogischen Funktionen der Sprache in der Ansprache und Anklage herausgestellt und auf ihre geschichtliche Nachhaltigkeit hin untersucht. Die Arbeit ist philosophisch herausragend und gibt viele neue Anhaltspunkte für die Aufarbeitung deutscher Geschichte. Univ.-Prof. Dr. Stephan Grätzel

Preis der Prof. Dr. Gustav Blanke und Hilde Blanke-Stiftung

These People are Cursed – Family Structures, Gender Representation, and Traumatic Experiences in David Robert Mitchell’s It Follows, Robert Eggers’s The Witch, and Ari Aster’s Hereditary

Zeitgenössische amerikanische Horrorfilme setzen weniger auf physische Gewalt und Blutvergießen als auf emotionalen und psychologischen Horror im Familien- oder Freundeskreis. Wie Frau Ronja Denker in ihrer Masterarbeit nachweist, gehen damit Veränderungen in der Darstellung und Funktion weiblicher Charaktere einher. An der Schnittstelle von Amerikanistik, Filmwissenschaft und Gender Studies angesiedelt, liefert die klar gegliederte Studie gewinnbringende Erkenntnisse für verschiedene Disziplinen und dokumentiert eindrucksvoll Frau Denkers Befähigung zur wissenschaftlichen Arbeit. Univ.-Prof. Dr. Jutta Ernst

Political Framing bei Fox News: Analyse der Klima- und Migrationsdebatte während der Präsidentschaft von Donald Trump

“Wie funktionierte political framing in den konservativen US-Medien während der Trump-Präsidentschaft? Dieser Frage widmet sich Jonas Riede in seiner MA-Arbeit. Zunächst skizziert er sehr kenntnisreich das Entstehen einer rechtskonservativen Medienlandschaft anhand des Aufstieges von Fox News und erklärt ihre Bedeutung für den Rechtsruck der Republikanischen Partei, der in den 1990ern begann und letztlich den Boden für die Wahl Donald Trumps bereitete. Nach einer linguistischen Herleitung und Definition des Begriffes framing analysiert Herr Riede im folgenden anhand zweier wichtiger politischer Themen, der Migration und dem Klimawandel, wie der Sender Fox News durch political framing die innenpolitische Debatte in den USA entscheidend prägte. Seine aufschlussreiche Analyse ist ein wertvoller Beitrag sowohl zur US-Kulturwissenschaft als auch zur Sprachwissenschaft. Dipl.-Dolmetscher Volker Raatz

Preis des Lions Clubs Oppenheim und der Bernhardt Stiftung Nierstein zur Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses

Albrecht Dürer und die Humanisten: zum Wechselverhältnis zwischen künstlerischen und politisch-historiographischen Konzepten im Heiligen Römischen Reich um 1500

Welche Bedeutung besaßen Albrecht Dürer und seine Kunst in den nationalen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland, Italien und Frankreich in der Zeit um 1500? Diese Frage steht im Fokus der Masterarbeit von Frau Alina Hauch, die am Beispiel Dürers das Zusammenspiel zwischen humanistischen Gelehrten, Politikern und Fürsten sowie einem ehrgeizigen Kunstbetrieb in den kulturellen Zentren des frühneuzeitlichen deutschen Reichs analysiert. Mit Hilfe eines Close readings sowohl der Schriftquellen als auch der Bildwerke gelingt so der Nachweis, dass die künstlerische Karriere Dürers und sein Aufstieg zu einem der berühmtesten Künstler seiner Zeit nicht losgelöst von den humanistischen Nationalkonzepten der politischen Elite im Reich betrachtet werden kann. Univ.-Prof. Dr. Matthias Müller

Die Prämierung der herausragenden Abschlussarbeiten der Geigerin Marta Kovalova ist ebenso gerechtfertigt wie erfreulich, stellt sie doch exzellente Leistungen in den Mittelpunkt, die – wie selten – ein breites Spektrum künstlerischer Vielseitigkeit abbilden. Sowohl solistisch präsentierte sich Frau Kovalova überzeugend mit Violinkonzerten Mozarts und Schostakowitschs, als auch kammermusikalisch als Primaria ihres exquisiten Glücksklee Quartetts, das bereits auf Wettbewerbserfolge und Radio-Mitschnitte zurückblicken kann. Charakteristisch tritt hier immer wieder ihr musikalisches Potential in Erscheinung, das nicht nur nach Perfektion, sondern auch kreativ nach individuellen Interpretationsansätzen sucht. Univ.-Prof. Benjamin Bergmann

Preis der Drs. Elke und Rainer Göbel-Stiftung

Log Toroidal Families

Dr. Simon Felten gelang es in seiner Promotion nachzuweisen, dass sich Hodgezahlen für Entartungsräume definieren lassen. Hodgezahlen sind fundamentale Kenngrößen zum Studium von kompakten komplexen Mannigfaltigkeiten. Diese wiederum sind in der Geometrie insgesamt von fundamentaler Bedeutung. Die berühmte und bis heute ungelöste Hodgevermutung aus den 1930er Jahren hat ebenfalls mit diesen Zahlen zu tun. Hodgezahlen für Entartungsräume haben Anwendung beim Studium von Spiegelsymmetrie, einer tiefliegenden Dualität, welche von mathematischen Physikern in den frühen 1990ern entdeckt wurde. Die Ergebnisse von Simon Felten haben außerdem neue Methoden eröffnet, um komplexe Mannigfaltigkeiten zu konstruieren und zu klassifizieren. Dr. Helge Ruddat

Wilhelm und Else Heraeus-Dissertationspreis

Effective Field Theories for Physics Beyond the Standard Model

Das Standardmodell der Teilchenphysik beschreibt die Konstituenten der uns bekannten Materie und die Kräfte, die zwischen diesen Teilchen wirken, mit beeindruckender Genauigkeit. Dennoch bleiben einige Fragen offen, insbesondere die nach dem Ursprung der dunklen Materie im Universum und nach der Erklärung der Naturkonstanten. Um diesen Rätseln auf den Grund zu gehen, sucht man weltweit nach Hinweisen auf eine „neue Physik“ jenseits des Standardmodells. Die Dissertation von Stefan Baumgart leistet auf diesem wegweisenden Gebiet Pionierarbeit. Es ist ihm gelungen, einen modellunabhängigen Formalismus zu entwickelt, mit dessen Hilfe sowohl die Zerfälle bisher unentdeckter Elementarteilchen als auch deren virtuelle Beiträge (als Quantenfluktuationen) zu hochpräzisen Messungen an Teilchenbeschleunigern theoretisch berechnet und analysiert werden können. Univ.-Prof. Dr. Matthias Neubert

Professor-Herminghaus-Preis

Electric field-induced strain control of magnetism in in-plane and out-of-plane magnetized thin films

Frau Filianina hat in einer exzellenten Arbeit gezeigt, wie man den Schaltvorgang von magnetischen Datenspeichern effizienter und damit energiesparender machen kann. Während die magnetische Speicherung von Informationen hoch effektiv und mit hoher Datendichte bei geringer Leistungsaufnahme erfolgt, benötigt das Schreiben der Daten konventionell viel Strom. Durch neuartige strom-induzierte Drehmomente, die auf relativistischen Spin-Bahn Wechselwirkungseffekten beruhen, kann die benötigte Energie für den Schaltvorgang drastisch reduziert werden. Wie in einer von Frau Filianina als Erstautorin hochrangig publizierten Veröffentlichung gezeigt, können diese Drehmomente durch elektrische Felder optimiert und damit die Schaltzeit und der Energieverbrauch minimiert werden. Univ.-Prof. Dr. Mathias Kläui

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und das Gutenberg Nachwuchskolleg gratulieren allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich zu ihrem Erfolg und wünschen ihnen auf ihrem weiteren Lebensweg beruflich und privat alles Gute!