Graduiertenkollegs in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Mit den sogenannten "Minigraduiertenkollegs" (MGRK) setzt sich das GNK seit mehreren Jahren erfolgreich für die Etablierung nachhaltiger Strukturen im Bereich der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung in den Geistes- und Sozialwissenschaften ein. Dabei gilt es zukunftsträchtige Forschungsansätze an der JGU zu identifizieren, vielversprechende Kooperationen zu unterstützen und Doktorandinnen und Doktoranden gute Rahmenbedingungen für ihre Forschungsvorhaben zu bieten.

 

Laufende Minigraduiertenkollegs

Förderzeitraum 2024-2027

Im Auswahlverfahren 2023 wurden vier neue Minigraduiertenkollegs (MGRK) mit einer Laufzeit von drei Jahren und einem Fördervolumen von insgesamt knapp 1,3 Mio EUR bewilligt.

Hauptantragsteller: Univ.-Prof. Dr. Florian Hett

Mitantragsteller:innen: Univ.-Prof. Dr. Andrej Gill, Univ.-Prof. Dr. Michael Kosfeld, Prof. Dr. Christine Laudenbach

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Das Forschungsprogramm

Precise measurement is a hallmark of empirical scientific practice. Inspired by economics' strong emphasis on individual choice behavior as main object of investigation, recent years have seen rapid developments in the design and application of novel measurement protocols based on experimental economic methods, capturing differences in individual characteristics, and applied to better understand differences in economically relevant domains.

As an apparently independent development, quantitative social science research and specifically economics have by now broadly adopted the experimental approach for the identification of causal effects. In recent years experimentation has also increasingly moved outside the laboratory and is regularly applied to field settings, having become a common tool to evaluate policy and understand behavior of individuals, firms, and organizations.
While randomized experiments have classically focused on estimating average treatment effects, attention is now shifting towards also analyzing their heterogeneity. This is particularly relevant for the application of research findings to practice as it allows for tailoring programs to individual characteristics and overcome “one-size-fits-all” approaches.

By starting this graduate group we aim to lay the grounds for building and institutionalizing an active young researcher community, systematically fostering and advancing the development and utilization of behavioral measurement tools and its application to field experiments in empirical social science research. Notably, the group will not only focus on the application of these two methodological paradigms in isolation but also utilize their synergies: If behavioral measures are helpful in detecting individual heterogeneity, embedding them within randomized control trials in the field constitutes a promising approach to systematically analyze systematic heterogeneity of treatment effects.

Hauptantragsteller: Univ.-Prof. Dr. Immanuel Ott

Mitantragsteller:innen: Univ.-Prof. Dr. Stefanie Acquavella-Rauch, Univ.-Prof. Dr. Birger Petersen

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Das Forschungsprogramm

Das Minigraduiertenkolleg hat das Ziel, sich der fluiden und heterogenen Gattung der Symphonischen Dichtung aus mehreren kulturhistorischen Richtungen zu nähern. Um der Vielfalt der Gattung Rechnung zu tragen und über das Betrachten der Werke einzelner Komponist:innen hinauszugehen, sollen mit Hilfe intra- und interdisziplinärer Ansätze verschiedene Sujet-Kategorien, Rezeptionshaltungen und Kompositionsweisen u.a. im Hinblick auf ihre kulturelle Ausdeutung im langen 19. Jahrhundert untersucht werden.

Dafür gilt es, bisherige Kenntnisse über die Gattung durch neue hermeneutische Zugänge zu perspektivieren, indem drei Fragenkomplexe in den Blick genommen werden: Erstens wird untersucht werden, wie sich Vorstellungen vom ›Inhalt‹ der Musik, die gerade in der ersten Jahrhunderthälfte wesentliche Streitpunkte in Musikästhetik und -theorie darstellten, im Rahmen der Gattung kompositionsästhetisch niederschlagen.

Zweitens gilt es, Fragen der Sujetwahl analog zu den etablierten Untersuchungen im Rahmen der Oper des 19. Jahrhunderts zu diskutieren und damit das Verhältnis der Symphonischen Dichtung zu anderen Gattungen in den Blick zu nehmen.
Drittens soll die Gattung als Teil einer oft weit in die kulturelle Produktion hineinreichende Bildung nationaler Identifikationsmuster kontextualisiert und so in der Verflechtung kulturhistorischer Perspektiven mit solchen der Kompositionspraxis untersucht werden, inwieweit sich nationale Identitäten auch kompositionstechnisch und -ästhetisch manifestieren.

Der fächerübergreifende Austausch zwischen Musikwissenschaft und Musiktheorie bietet sich für diese Fragestellungen in besonderer Weise an; denn erst im interdisziplinären Austausch lassen sich Fragen kultureller und kompositionstheoretischer Praxen im Kontext einer narrativen Strukturiertheit von Musikwerken untersuchen. Dafür wurde ein multidimensionales Betreuungskonzept entwickelt, das auch im Hinblick auf seine Übertragbarkeit in andere Fächer erprobt werden soll.

Hauptantragstellerin: Jun.-Prof. Dr. Barbara Henning

Mitantragsteller:innen: Univ.-Prof. Dr. Thomas Blank, Univ.-Prof. Dr. Nina Gallion, Univ.-Prof. Dr. Johannes Lipps

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Das Forschungsprogramm

Das MGRK erforscht in diachroner Ausrichtung Fallstudien aus historisch-materialwissenschaftlicher Perspektive zu Diversität und sozialen Grenzziehungen in Städten und Metropolen von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Ausgangspunkt ist dabei die Beobachtung, dass sich in unterschiedlichen historischen Konstellationen jeweils Schlüsselmomente identifizieren lassen, in denen sich zuvor latente oder implizite Differenzierungspotentiale innerhalb von Stadtgesellschaften so verdichten, verfestigen oder wieder auflösen, dass sie sowohl für die normgebenden Instanzen im städtischen Raum als auch für die Akteur:innen selbst sichtbar und explizierbar werden.

Der gemeinsame Zugriff über die Linse Fremdheit bzw. Fremdsein eröffnet vergleichende Perspektiven und Räume für eine übergreifende Diskussion dieser Faktoren aus multidisziplinärer Perspektive: Gemeinsam fragen wir nach den Dynamiken, Katalysatoren, Geschwindigkeiten und Umschlagpunkten der hier wirksamen Differenzierungsprozesse sowie nach den schriftlichen und materiellen Spuren, die diese Konstellationen hinterlassen haben.

Hauptantragstellerin: Univ.-Prof. Dr. Barbara Thums
Mitantragsteller: Univ.-Prof. Dr. Rainer Emig, Univ.-Prof. Dr. Immanuel Ott, Univ.-Prof. Dr. Gregor Wedekind

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Das Forschungsprogramm

Das MGRK widmet sich Verbindungen zwischen Ökologie und Ästhetik zwischen 1750 und 1850, indem es ökologische Problemstellungen in ästhetischen Kontexten analysiert, bevor die Kluft unterschiedlicher Wissenschaftskulturen im 19. Jahrhundert wirksam und der Begriff Ökologie von Ernst Haeckel 1866 definiert wurde. Ziel ist es, den Stellenwert des Ästhetischen an der Herausbildung einer Vielfalt an Ökologien um 1800 herauszuarbeiten. Die Künste um 1800 zielen auf die Bewusstwerdung von Wechselwirkungen zwischen Kultur und Natur in Umwelt, sozialen Beziehungen und menschlicher Subjektivität. Die Künste entwickeln ein Verständnis, in dem Natur zum Raum ästhetischer Erfahrung und die Verschränkung von Mensch und Natur sichtbar wird.

So finden sich in den Musikästhetiken der Zeit Perspektiven, die alle Dinge der Welt im Sinne eines symphonischen ›Welt-Klangs‹ vereinen, während sich das hörende Selbst in diesen Klängen auflöst. In der bildenden Kunst erfolgt der Aufstieg der Landschaftsmalerei zur neuen Leitgattung. Die literarische Romantik erscheint ebenfalls als komplexes Feld ästhetischer Experimente. Während für die Anglistik Reaktionen auf die Industrielle Revolution im Zentrum stehen, die künstlerische Positionen zwischen Nostalgie und Klassenkampf hervorbringen, ist für die Germanistik die Auseinandersetzung mit der Naturphilosophie des Deutschen Idealismus zentral. Diese verwandelt traditionelle Makrokosmos-Mikrokosmos-Relationen über eine Poetisierung der Wissenschaften in mehr-als-menschliche Wechselverhältnisse zwischen Anorganischem und Organischem.

Im Rahmen des MGRKs werden somit die ökologischen Dimensionen des in Literatur, der bildenden Kunst und der Musik gleichermaßen virulenten Landschaftsbegriffs profiliert und die damit verbundene Krisenreflexionen der Moderne um 1800 und die zunehmend prekärer werdenden Mensch-Umweltbeziehungen aufgezeigt. Das geplante Vorhaben zielt in der interdisziplinären Zusammenführung von Kunst-, Literatur- und Musikwissenschaft über die Methode des Ecocriticism auf die Etablierung einer Forschungsplattform Environmental Humanities an der JGU, die mit bereits bestehenden Initiativen verknüpft werden soll und sich als Beitrag zur JGU-Initiative »Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung« versteht.

Förderzeitraum: 2021-2024

Im Auswahlverfahren 2019 wurden drei neue Minigraduiertenkollegs (MGRK) mit einer Laufzeit von drei Jahren und einem Fördervolumen von insgesamt 762.000 Euro bewilligt.

Hauptantragsteller: Jun.-Prof. Dr. Constantin Wagner
Mitantragstellende: Prof. Dr. Karin Bräu, Prof. Dr. Alexandra Klein, Prof. Dr. Carmen Mörsch

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Das Forschungsprogramm

Intersektionale Diskriminierungserfahrungen sind allgegenwärtig. Schule, Soziale Arbeit, kulturelle
Bildung und Hochschulen stellen hier keine Ausnahmen dar. Im Hinblick auf Universitäten als Bildungs- und Wissenschaftsorganisationen wird damit einerseits virulent, inwiefern Diskriminierung in Wissensbestände und -erwerb eingelagert ist und andererseits, welche Möglichkeiten diskriminierungskritischen Bildungsprozessen in der universitären Lehre zukommt. In den letzten Jahren sind vermehrt selbst- und machtreflexive Lehr-/Lernmaterialien entstanden, die auch in der Hochschule eingesetzt werden. Gleichzeitig ist noch ungeklärt, welche Bedingungen für diskriminierungskritische Bildungsprozesse nötig sind, wie Widerstände produktiv gemacht und Prozesse eines diskriminierungskritischen Conceptual Change befördert werden können.
Das Forschungsprogramm setzt an diesem Desiderat an: Im Rahmen universitärer Lehrveranstaltungen werden die Auseinandersetzung mit diskriminierungskritischen Materialien, die Umgangsweisen mit dabei auftretenden Widerständen sowie die Entwicklung von Haltungen und veränderten pädagogischen Handlungsweisen bei den Studierenden, kurz: Bildungsprozesse, untersucht. Dabei fokussieret das MGRK auf die Auseinandersetzung mit Ungleichheit und Diskriminierungskritik im Bereich der Lehrer_innenbildung, der Sozialen Arbeit und der kulturellen Bildung.
Eine intersektionale Perspektive, welche von komplexen und miteinander verwobenen Ungleichheitsverhältnissen ausgeht, ermöglicht es, in der Analyse von universitären Lehr-/Lernsettings Homogenisierungen und kategoriale Zuschreibungen zu vermeiden und verschiedene Differenzlinien
in ihrem Zusammenwirken und ihrer Prozessierung in den Blick zu nehmen. Damit zielt das MGRK auf
Wissensdesiderate von hoher Dringlichkeit und Relevanz, auf die es bislang im deutschen Kontext
noch keine befriedigenden Antworten gibt.

Zu den aktuellen Ausschreibungen von Promotionsstipendien im Bereich Kunst- und Schulpädagogik

Hauptantragstellerin: Prof. Dr. Olga Zlatkin-Troitschanskaja
Mitantragstellende: Prof. Dr. Mita Barnjee, Prof. Dr. Walter Bisang, Jun.-Prof. Dr. Marcus Maurer, Prof. Dr. Christian Schemer, Prof. Dr. Jochen Roeper

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Das Forschungsprogramm

Based on prior research and the preliminary studies conducted by participating principal investigators of the MGRK DIAPASON, the online information landscape in which today’s higher education students acquire a large amount of their domain-specific knowledge is analyzed in depth, structurally and semantically. To this end, approaches from communication science, linguistic typology, literary studies, medical and economics education and domain-specific didactics are included in five PhD projects. By describing the online sources most commonly used by medicine and economics students when solving domain-specific tasks in their respective domains (regular course assignments and Internet-based tasks), the contemporary online information landscape is “mapped” with regard to its media-specific, linguistic, narrative, subject-specific, and didactic properties and quality. The dataset to be systematically analyzed in the PhD projects is internationally unique and has already been collected from Internet-based assessments, including the initial analysis of log data of students’ online navigation, along with the information sources they used. The data corpus covers online information sources on selected study topics about key fundamental concepts in the domains of economics and medicine (from universities’ core curricula). The PhD projects in this MGRK analyze the information sources and students' learning outcomes (i.e. their written texts) in great depth, focusing on selected aspects to identify and classify characteristics of the online information that students use for learning over the course of their studies, which are expected to significantly influence their knowledge acquisition.
Given students’ increasing use of the Internet as their main information source in higher education today, this mapping of online information is one of the necessary prerequisites for understanding and explaining students’ domain-specific learning and knowledge development in the digital age.

Hauptantragstellerin: Prof. Dr. Claudia Landwehr
Mitantragstellende: Prof. Dr. Kai Arzheimer, Prof. Dr. Phillip Harms, Prof. Dr. Sascha Huber, Prof. Dr. Otte Gunnar

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Das Forschungsprogramm

Processes of polarization and the rise of populism seem to undermine foundations of liberal and
democratic institutions, giving rise to concerns about the state and future of democracy itself. We
assume that the liberal democratic order ultimately rests upon a procedural consensus on the
legitimacy and efficacy of its institutions, which grants these institutions resilience in times of trouble.
Societal transformation processes such as globalization, digitalization and pluralization cause
challenges to this consensus and seem to make institutional adaptation and reform necessary. Against
this background, the 2020 Covid-19 pandemic with its consequences constitutes a major shock,
triggering a crisis in which institutions need to prove their stability and resilience in a situation where
cracks and fissures in the procedural consensus have already become apparent.
The Resilient Institutions group will assess factors that compromise or enhance institutional resilience
both with regard to longer-term structural transformations of societies and in light of the Covid-19
shock. Supervisors and graduate students have backgrounds in different disciplines that each study
institutions from a distinct angle: economics, political science and sociology. From this broad
interdisciplinary perspective, the PhD-projects explore how societal transformation processes and the
acute crisis create challenges for liberal representative democracy. Collaboratively, the group will seek
to map the scope and content of the procedural consensus on liberal democratic institutions in order
to gain an estimate of how firmly these are rooted in mass support and thus how likely they remain to
withstand contestation. In their individual projects, graduate students address questions regarding the importance of diffuse support for democracy, the effects of institutional design on democratic
legitimacy, changes in processes of opinion and will formation, shifting loyalties and emerging new
cleavages.

 

Ehemalige Minigraduiertenkollegs

Förderzeitraum 2018-2021

Hauptantragstellerin: Prof. Dr. Barbara Thums
Mitantragstellende: Prof. Dr. Michael Roth, Jun.-Prof. Dr. Mirko Uhlig

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Hauptantragstellerin: Prof. Dr. Alexandra Schneider
Mitantragstellende: Prof. Dr. Friedemann Kreuder, Jun.-Prof. Dr. Kristina Köhler, Prof. Dr. Gabriele Schabacher, Jun.-Prof. Dr. Sarah Scholl-Schneider, Prof. Dr. Michael Simon, Jun.-Prof. Dr. Julia Stenzel, Jun.-Prof. Dr. Mirko Uhlig, Jun.-Prof. Dr. Benjamin Wihstutz

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Förderzeitraum 2015-2018

Evangelische Theologie
Hauptantragsteller: Prof. Dr. Ruben Zimmermann
Mitantragstellende: Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Horn, PD Dr. Dorothea Erbele-Küster

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Hauptantragsteller: Prof. Dr. Christian Dormann
Mitantragstellende: Jun.-Prof. Dr. Verena Haun, Prof. Dr. Thomas Rigotti, Prof. Dr. Klaus Wälde

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Zentrum für Bildungs-und Hochschulforschung, Psychologisches Institut, Fachdidaktik in Biologie, Englisch und romanische Sprachen

Hauptantragstellerin: Prof. Dr. Margarete lmhof
Mitantragstellende: Prof. Dr. Daniel Dreesmann, Prof. Dr. Oliver Meyer, Prof. Dr. Sylvia Thiele

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Institut für Soziologie, SOCUM, Historisches Seminar, Institut für Kunstgeschichte und Musikwissenschaft

Hauptantragsteller: Prof. Dr. Herbert Kalthoff
Mitantragstellende: Prof. Dr. Jörg Rogge, Prof. Dr. Gregor Wedekind

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Institut für Erziehungswissenschaft, Institut für Soziologie

Hauptantragstellerin: Prof. Dr. Heide von Felden
Mitantragstellende: Prof. Dr. Marina Hennig, Prof. Dr. Peter Preisendörfer, Prof. Dr. Stefan Weyers

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Hauptantragstellerin: Prof. Dr. Dilek Dizdar
Mitantragstellende: Prof. Dr. Andreas Gipper, Prof. Dr. Dr. Andreas Kelletat, Prof. Dr. Birgit Menzel, Prof. Dr. Michael Schreiber

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